Wie wir testen

Über den Geschmack

Tastings sind immer – egal ob durch einen Anfänger oder einen weltweit anerkannten Zigarrensommelier – nur eine subjektive Wahrnehmung. Der Geschmack einer Zigarre hängt von unzähligen Faktoren ab, die zwangsweise massiven Einfluss auf das Geschmackserlebnis haben. Ob begleitende Getränke, die Lagerdauer und Art der Lagerung, oder ob man vor der Verkostung etwas gegessen hat. Auch nimmt jeder Mensch Geschmack anders wahr. Was dem einen Tester schmeckt, findet ein Anderer widerlich. Ein Beispiel hierfür wäre Lakritze. Entsprechend kann eine hier bewerte Zigarre für den oder die Tester sehr gut oder schlecht gewesen sein, für den Leser muss sie noch lange nicht die gleiche Bedeutung haben. Tastings sind also subjektiv!

Zigarren sind Naturprodukte. Da hier nicht einfach aus einem Topf mit gehacktem Tabak eine Serienproduktion erfolgt, sondern jeweils einzelne Blätter verwendet werden, sind Schwankungen unvermeidbar. Kein Blatt ist identisch mit einem anderen, wenige  Meter  Entfernung innerhalb eines Feldes bedeuten bereits geringfügig unterschiedliche Boden- und Lichtbedingungen. Entsprechend bedeutet es nicht im Mindesten, dass eine hier schlecht getestete Zigarre  darauf schließen lässt, alle Zigarren dieser Linie seien schlecht. Genauso ist eine hervorragende Zigarre möglicherweise auch nur ein Ausreißer nach oben. Tastings sind also nur eine Aussage über die einzelnen getesteten Zigarren!

 

Über Ehrlichkeit und Transparenz

Diese Tastings hier werden ehrlich durchgeführt. Wir sind der festen Überzeugung, dass es im Interesse aller Beteiligten ist, dass die hier verkosteten Zigarren auch ehrlich beschrieben werden. Wenn wir negative Erlebnisse nicht offen und ehrlich schildern – mit welchem Recht sollten wir dann erwarten können, dass auch die guten Erlebnisse geglaubt werden? Es gibt nun mal Zigarren, die einem Tester nicht schmecken. Nur wenn man das ehrlich anerkennt hat die Bewertung von Zigarren überhaupt einen Sinn. Schließlich ist es nun einfach so, dass nicht jede Zigarre gut ist!

Die Tastings hier werden durch einzelne Individuen durchgeführt. Wir führen keine Konferenzen über die Qualität einer Zigarre durch, was bedeutet dass die Tester auch einmal unterschiedlicher Meinung sein können. Dies ist ein völlig normaler Vorgang und gehört zu einer Publikation mit subjektiven Inhalten selbstverständlich dazu! Das bedeutet, dass jedes Tasting nur für die Bewertung eines einzelnen Testers steht, nicht für das Genuss-Collegium an sich!

Die hier verkosteten Zigarren werden nicht blind getestet. Schon alleine da einzelne Exemplare wegen ihres einzigartigen Formats auch ohne Bauchbinde zu identifizieren wären, wird darauf verzichtet.

Privatblends, Zigarren vor der Markteinführung und Zigarren ohne Importeur können nicht einfach anonym in einem Laden gekauft werden. Wurde dem Genuss-Collegium jedoch eine Zigarre zur Bewertung überlassen, so könnte dies theoretisch die Bewertung beeinflussen. Wir behaupten nicht, dass wir hier fehlerfrei wären. Allerdings werden wir bekannt geben, wenn die Zigarren nicht gekauft wurden um mögliche subjektive Elemente in der Bewertung offenzulegen.

 

Über die Bewertungen

Der Preis soll bei Bewertungen nur in Hinsicht auf Preis-Leistungs-Empfehlungen eine Rolle spielen. Letztendlich geht es ja um die Zigarre, nicht um das Preisschild darauf. Eine gute Zigarre wird nicht schlechter, wenn sie mehr oder weniger kostet. Auch ist der Preis selbstverständlich nur eine rein subjektive Sache, da ein gut Verdienender auch 19 Euro für eine Davidoff nicht für teuer hält. Zigarren sollte man kaufen weil sie einem schmecken, nicht weil der Preis ist, wie er ist.
Das ist die Theorie. In der Praxis wird es natürlich eine Rolle in der Erwartungshaltung spielen, wie teuer und welche Marke eine Zigarre hat. Das lässt sich nicht vermeiden und soll daher auch nicht verschwiegen wäre! Prinzipiell wird jedoch nach dem Maßstab: „Der Preis spielt keine Rolle“ bewertet.

Wie genau soll man Zigarren bewerten? Ist eine Zigarre mit 93 Punkten wirklich besser als die mit 92, die man vor einem Monat geraucht hat? Wie viel Prozent ist eine Zigarre mit 87 Punkten wirklich schlechter als eine mit 95 Punkten? Wieso soll die Zigarre 91 Punkte bekommen und nicht 92?

Das alles sind Fragen, die man bei der Bewertung klären muss. Gelöst haben wir beim Genuss-Collegium dies auf eine einfache Art und Weise: Der Chefredakteur stammt aus dem Zigarreneinzelhandel. Angenommen, ein Kunde würde exakt 1.000 Euro ausgeben wollen und es gäbe keine Zigarren, die „weg“ müssen, wie würde er dann den Kunden beraten? Die Antwort lautet, man würde dem Kunden sagen: „Kauf hiervon erst mal nur eine zum Probieren, hiervon ruhig drei bis fünf. Von dieser kannst Du beherzt eine ganze Kiste mitnehmen.“ Im Prinzip soll die Bewertung also eine Kaufempfehlung im Sinne von „So viele kannst Du davon kaufen ohne sie je geraucht zu haben!“ heißen.

Wie man einem Freund gegenüber wohl eher selten „das ist eine 87 Punkte Zigarre“ sagen würde, sondern eher „die war wirklich gut“, so haben auch wir uns dazu entschieden, Zigarren besser mit Worten als mit Zahlen zu bewerten. Um dennoch eine Vergleichbarkeit mit Tastings in anderen Medien zu ermöglichen, wird die etwaige Punktezahl der Zigarre in Klammern angefügt. Gleichzeitig wird aber die kaum machbare „92 ist schlechter als 93“ Einteilung vermieden. Entsprechend  werden unsere Tastings mit folgenden Ergebnissen versehen:

  • Einen Versuch wert (80)
  • Ordentlich (83)
  • Recht Gut (86)
  • Gut (88)
  • Wirklich Gut (90)
  • Sehr gut (92)
  • Hervorragend (94+)
Ist eine Zigarre hingegen in unserem Test soweit durchgefallen, dass wir auch einem aufgeschlossenen Freund, trotz der Selbsterkenntnis einer immer nur subjektiven Bewertung, vor ihr bewahren wollen würden, so wird die Zigarre mit “nicht empfehlenswert” bewertet.

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