Kommentar: Kein Fußbreit den Bevormundern!

Report München hat unlängst in einem Beitrag die Pläne der EU bezüglich des Rauchens erläutert. Durch Denunziation und Schauprozesse sollen Raucher bekämpft werden. Doch beim Rauchen wird es nicht enden.

 

Denunzianten und Schauprozesse auf Geheiß der EU

In dem Beitrag stellt Report München einige Szenarien nach. Unter Zuhilfenahme einer Art “Raucher-Polizei” sollen Rauchverbote überwacht werden. Die Denunziation durch Bürger soll gefordert, und mit gratis-Rufnummern gefördert werden. In dieser dystopischen Welt werden die Bürger ermächtigt, gegen Raucher tätig zu werden. Eine Erinnerung an den Blockwart aus alten Zeiten mag hier überzogen klingen, sie scheint jedoch auch nicht mehr allzu weit von der Realität entfernt. Der Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger indes bezeichnet dies in einem Interview der Sendung als “Wahnsinn”. So etwas “gibt es nur in totalitären Regimes”.

Um das Volk zu erziehen, soll mittels  “Aufsehen erregende  Strafverfolgung“, man könnte auch “mittels Schauprozessen” sagen, das Übertreten von Rauchverboten durch Prominente bestraft werden. Der Text wörtlich: “Wenn festgestellt wird, dass sich prominente Personen bewusst über die Rechtsvorschriften hinweggesetzt haben […] können die Behörden ihre Entschlossenheit unter Beweis stellen, indem sie mit rigorosen und zügigen Maßnahmen reagieren und dabei die größtmögliche öffentliche Aufmerksamkeit erregen.” Dieses Verhalten ist ohne Zweifel in bester Tradition von totalitären Regimes und auch nur aus ihnen bekannt.

 

Es fängt alles harmlos an

Das Problem hierbei ist, dass die staatlichen Institutionen, diesmal die europäischen, zuverlässig aus dem Ruder laufen, erlaubt man ihnen erst einmal die Freiheit zu beschneiden. Das heißt gar nicht, dass die ersten Schritte nicht gut, und nicht auch durch überzeugte und klassische Liberale zu befürworten, gewesen wären.

Als ich 2002 mein Studium an der Universität Würzburg begann, war das Rauchen in den Gebäuden noch erlaubt. Was  nur rund 10 Jahre später kaum noch vorstellbar scheint, war damals normal. In der Cafeteria meiner Fakultät standen neben den meisten Tischen große Aschenbecher.

Diese Cafeteria ist allerdings zugleich in der Aula des Fakultätsgebäudes gelegen, von der alle Vorlesungssäle abgehen. Theoretisch hätten hier also 400 Zigarrenraucher sitzen können, die völlig legal die Sichtweite im Gebäude auf zwei bis drei Meter verringert hätten. Um in eine Vorlesung zu gehen hätten dann aber sogar Asthmatiker diesen Tabak-Smog durchqueren müssen. Auch in den Vorlesungsräumen, in denen er zwei bis drei Stunden hätte sitzen müssen, wäre die Luft natürlich nicht frei von der Belasteten mit Tabakqualm gewesen. Kein Mensch wird hier etwas gegen ein Rauchverbot haben. Kein vernünftiger, mitfühlender und höflicher Mensch hätte hier gegen ein Rauchverbot gestimmt.

So fing es an. Wozu es geführt hat weiß man vor allem in Bayern nur zu genau. Dort ist es heute nicht mehr möglich, eine Zigarrenlounge zu betreiben. Selbst eine Lokalität in Privatbesitz, die niemand betreten muss, darf kein Rauchen mehr erlauben (solange dort auch Lebensmittel, was Kaffee und Wasser einschließt, konsumiert werden). Wohin es führt wird, kann man oben sehen.

Bei immer weniger Rauchern wird ein Verbot des Rauchens, was wohl nach Hoffnungen der Bevormunder am Ende der Leiter stehen wird, wohl nicht allzu schlimm wahrgenommen. Rauchen ist ungesund, das geben auch wir Aficionados in der Regel zu. Auch wenn der Duft einer brennenden, guten, Zigarre für uns angenehm ist, für Viele ist das einfach nur Gestank. Wenn also in 20 Jahren der Tabakgebrauch verboten ist, was wäre daran so schlimm? So sehr ich auch meine Zigarren mag, ich könnte damit leben.

Das mag die Haltung Vieler sein, die für das Rauchverbot eintreten, es unterstützen, oder aber seiner Einführung passiv zugesehen haben. Das Problem ist nur, dass es eben nicht beim Tabak aufhören wird.

 

Beim Tabak wird es nicht aufhören

Was diese Kreise übersehen, ist dass es damit nicht aufhören wird. In unserer politischen Klasse, und auch in der Europäischen, dominiert inzwischen die Geisteshaltung, dass der Bürger zu dumm ist, um für sich selbst zu entscheiden. So wenig wie der Bürger ihrer Meinung nach selbst entscheiden kann, eine Zigarrenlounge nicht zu betreten, so wenig ist er in der Lage sonst auf sich aufzupassen. Zunächst war der nächtliche Verkauf von Alkohol an Tankstellen in Bayern drastisch eingeschränkt worden. Jetzt soll wohl der Konsum von Alkohol an öffentlichen Plätzen zwischen 22 und 6 Uhr verboten werden. Die gute Würzburger Tradition, in lauen Sommernächten mit einer Flasche Wein an den Main, oder auf die Festung, zu wandern, wird damit enden müssen. Dabei wissen wir alle, dass auch Alkohol an sich schlecht ist. Es ist ein Zellgift. Lobbygruppen werden wie aus der Pistole geschossen mit den Zahlen der durch Alkoholmissbrauch induzierten Todes- und Krankheitsfälle aufwarten können. So wenig wie es bei einem logischen Verbot des Rauchens in Bussen, Straßenbahnen und staatlichen Gebäuden endete, so wenig wird es mit einem “Nachttrinkverbot” enden. Gute Gründe gibt es. Denn mal ehrlich: Alkohol schmeckt, aber brauchen wir ihn wirklich? Wie viel Geld könnten die Krankenkassen mit einer deutlichen Reduktion des Alkoholkonsums sparen? Wie stark würden Gewalt und Autounfälle sinken? (Und wie viel Macht könnte die Politik gewinnen, wenn sie die Keltereien und Brauereien anschließend subventioneieren würde, wie es ja beim Tabak bereits passiert?)

Auch die nächsten Verbote sind schon in der Warteschleife. Nach dem absolut verständlichen Gesetz zur Löschung von kinderpornographischen Webseiten gab es bereits erste Aufforderungen, auch rechtsextreme Seiten entfernen zu lassen.

Toll! Es wäre doch schön, wenn Nazi-Propaganda, Holocaustleugnung und ähnliches nicht mehr da wäre, oder? Aber glauben Sie wirklich, damit wird es enden? Wie lange wird es dauern, bis “rechtsextrem” nicht nur noch den ganz extremen Rand einschließt? Wie lange wird es dauern, wenn auch islamkritische Webseiten, Webseiten die den menschlichen Anteil am Klimawandel bestreiten, usw. verschwinden? Wie lange wird es dann dauern, bis die Löschung von Webseiten, die “der Störung des gesellschaftlichen Friedens hinderlich sind” folgt?

Doch auch Süßigkeiten sind längst auf der Liste. Ob Strafsteuern auf Süßes, angedachte Werbeverbote für Süßwaren, oder die Beschränkung der Getränkegrößen. Alles wurde bereits diskutiert. Für, bzw. gegen, alles findet sich eine Lobbygruppe, die es mit dem Wohl aller begründet. Und wer kann schon gegen das Wohl aller sein, ohne sich gegen alle zu stellen? So sehr ich auch Süßes liebe, was man leider immer wieder auch an der Waage sehen kann, so toll wäre doch ein Süßwarenverbot. Gäbe es keine Chips, Kekse, Schokolade, Kuchen, Konditorware und keinen Zucker (ersetzt auf staatliche Verordnung durch Stevia) mehr, so hätte ich vermutlich kaum noch um ein Idealgewicht zu kämpfen. Wäre das nicht toll?

 

Es findet sich immer eine Mehrheit gegen eine Minderheit

Egal worum es geht, es findet sich immer eine Mehrheit, die gegen eine Minderheit zu stimmen bereit ist. Schon alleine weil eine radikale Gruppe sich immer leichter mobilisieren lässt, als eine friedlich-passive Minderheit – siehe Volksabstimmung zum “Nichtraucherschutz” in Bayern. Ob aus Mitleid, aus falsch verstandener Fürsorge, ob aus Neid, Hass, Rassismus oder dem Gefühl moralischer Überlegenheit – immer lassen sich Menschen mobilisieren, wenn es nur gegen Andere geht. Dabei ist es völlig gleich, ob es um Softdrinks (“Die armen Dicken”, “All die Gefäßkrankheiten”), SUVs (“Die Klimakiller”), Raucher (“diese stinkenden Schweine ohne Selbstbeherrschung”), Jäger (“wenn die Waffen haben sollen sie auch dafür extra Steuer bezahlen”), Reiche (“Wer sich eine Yacht leisten kann, soll Yachtsteuer zahlen”) oder wen auch immer geht. Immer finden sich die Bevormunder, Besserwisser und Bessermeiner.

Was all diese Menschen aber nicht verstehen ist, dass jeder von uns sein Gris-gris hat. Jeder von uns tut etwas, mag etwas, träumt von etwas oder will etwas, dass ihm irgend jemand sonst nicht gönnt, vor dem ihn jemand schützen will, oder das jemand einfach nur widerlich findet. Wenn aber “mein Laster” schon verboten wurde, warum sollte ich dann gegen das Verbot von “Deinem” stimmen?

Man braucht nur die Kommentarspalten der Zeitungen und auf Facebook zu lesen. Praktisch immer finden sich Kommentare wie “Ihr sollt auch leiden”.

 

Deswegen: Kein Fußbreit den Bevormundern!

Deswegen kann ich nur appellieren: Stimmen Sie immer gegen Einschränkungen, auch wenn sie Sie nicht betreffen, auch wenn die Einschränkung Ihnen sogar gefallen würde. Nur mit konsequenter Freiheitsliebe, nur mit einem konsequenten Eintreten für individuelle Freiheit bleibt eine Hoffnung und eine Chance für die eigene Freiheit. Nur wenn der Schokoladensüchtige weiß, dass und warum Sie ihm seine 5.000 kcal täglich nicht verwehren, nur dann können Sie auf Solidarität hoffen.

Abschließen möchte ich mit zwei Zitaten, die zu gut sind, um sie hier nicht zu bringen.

“Die kleinste Minderheit auf der Erde ist das Individuum. Welche dem Individuum Rechte verweigern können nicht von sich behaupten, Verteidiger von Minderheiten zu sein”  (“The smallest minority on earth is the individual. Those who deny individual rights cannot claim to be defenders of minorities“)

Ayn Rand (amerikanische Philosophin)

 

“Der ganze Sinn dieses Landes [der USA] ist es, wenn Du Müll essen willst, dich auf 600 Pfund aufbläst und an einem Herzinfarkt mit 43 stirbst, kannst Du es! Es ist Dir erlaubt dies zu tun. Für mich ist das wunderschön!” (“The whole point of this country is if you want to eat garbage, balloon up to 600 pounds and die of a heart attack at 43, you can! You are free to do so. To me, that’s beautiful.”)

Ron Swanson (von Nick Offerman gespielter Charakter der Serie “Parks and Recreation“)

Und hier die “Report-München” Sendung:

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