Kleine Geschichte der Zigarren

Geschichte der Zigarren:

Der genaue Ursprung der Zigarren ist nicht bekannt. Erwiesen ist jedoch, dass der erste Tabak in Mittelamerika angebaut wurde, wahrscheinlich auf der Halbinsel Yukatan durch die Mayas. Sie rauchten gerollte Tabakblätter, die Azteken füllten Tabak in Schilfrohre, und die nordamerikanischen Indianer rauchten Tabak in Pfeifen.
Als Christoph Kolumbus auf Kuba landete, brachten von ihm ausgeschickte Späher aus dem Landesinneren berichte von Ureinwohnern mit, die brennende Fackeln in der Hand hielten, an deren einem Ende sie sogen um den Rauch zu einzuatmen. Die dabei beschriebenen Ureinwohner waren niemand anderes als die Tainos, deren Sprache noch heute beispielsweise die Marke Cohiba entlehnt ist. Die damals gerauchten „Zigarren“ waren Tabakblätter, die in ein Bananen-, Mais- oder Palmblatt gewickelt waren. Woher der Name „Zigarre“ ursprünglich kommt ist unklar, überliefert ist jedoch seine erste Erwähnung als „Cigarro im Jahre 1730. 1737 wird in England von „Seegar“ geschrieben. Wann der Tabak die Alte Welt genau erreichte ist unklar. Überliefert ist, dass Kolumbus selbst sich abfällig über den Tabakgenuss äußerte.
Den Tabak überführt zu haben wird vier verschiedenen Personen zugeschrieben. Zum einen der Florentiner (heutiges Italien) Amerigo Vespucci, nach dem übrigens „Amerika“ benannt ist. Weitere mögliche Überführer sind die Portugiesen Fernao de Magalhaes oder Pedro Álvares Cabral. Doch auch dem Mönch Ramon Pane wird es zugeschrieben. Eindeutig bewiesen werden konnte der Ursprung bis dato auf jeden Fall nicht. Der späteste Zeitpunkt ist definitiv 1520, als Hernán de Toledo Tabaksamen nach Portugal mitbrachte.In diesen Jahren begann sich der Tabakgenuss über die Matrosen und Soldaten in Europa auszubreiten.
Bald darauf verbreitete sich der Tabak auch nach Frankreich, wo Jean Nicot, seinerzeit französischer Botschafter im königlichen Hof von Lissabon, Tabak 1560 in Frankreich einführte. Auch wenn es hier, mal wieder, andere Theorien gibt, so ist der Wirkstoff im Tabak, das Nicotin, auf jeden Fall nach Jean Nicot benannt.
Neben dem reinen Genuss diente die Pflanze lange Zeit medizinischen Zwecken. So soll  unter anderem die französische Königin Katharina von Medici zerstoßenes Tabakpulver gegen ihre Migräne verwendet haben. Auch gegen Hautinfektionen wurde seinerzeit  die Pflanze verwendet..

Planmäßiger Anbau von Tabak beginnt:

Ein systematischer Anbau von Tabak in größerem Stil begann 1531 im Südosten von Hispaniola, nahe Santo Domingos. Erst 1580 folgten erste Tabakplantagen auf Kuba, 1600 folgte Brasilien. In Europa begann ein nennenswerter Anbau 1558 in Portugal, 1559 in Spanien, 1565 in England und 1620 in Frankreich.

„Nichtraucherschutz“ auch in der frühen Neuzeit

Schon zu dieser Zeit begann die Verteufelung des geschätzten Gewächses in einer Art und Weise, wie sie heutigen Hexenjagden gegen Genussraucher nicht unähnlich sein dürfte. 1586 ordnete Philip II. von Spanien die Auspeitschung von Tabakbauern und –Verkäufern an, ihre Ware sollte öffentlich verbrannt werden. Der russische Zar ließ 1645 Raucher gleich nach Sibirien deportieren! Jakob I., verfasste eine berühmte Streitschrift, bei der er Rauchen als heidnisch und unzivilisiert brandmarkte.
Auch Papst Urban VIII. wollte bei solchen Hexenjagden wohl nicht hinten anstehen und erließ 1624 eine Bulle, in der er allen Rauchern mit Exkommunikation drohte.

Verwendung von Tabak:

Neben der oben geschilderten Nutzung als Arznei wurde Tabak auf vielfältige Arten konsumiert. In Frankreich, Deutschland und den Niederlanden bevorzugte man Pfeifen und Schnupftabak. Auf der iberischen Halbinsel wurde Tabak hingegen in Zigarrenform konsumiert.
Schon ab 1676 wurden in Sevilla Zigarren aus kubanischem Tabak gerollt. 1717 wurde das königliche Tabakmonopol erlassen, dem 1731 königliche Zigarrenmanufakturen folgten.Von Spanien aus verbreiteten sich Zigarren langsam aber unaufhaltsam nach Norden. In der Bretagne wurden genau wie in Lüttich und in Deutschland Zigarrenmanufakturen bis zum Ende des 18. Jahrhunderts gegründet.
Nachdem seit 1580 Tabak auch auf Kuba durch europäische Kolonisten angebaut wurde, gab es in der Folge zahlreiche Probleme. Einerseits lehnten sich die kleinen Tabakbauern gegen Großgrundbesitzer, andererseits gegen das Tabakmonopol auf. Dieses verpflichtete die Tabakbauern, Vegueros genannt, dazu, all ihre Ernte an die staatlichen Monopolbehörden zu verkaufen. Der letzten von drei Aufständen 1723 wurde dabei besonders brutal und blutig niedergeschlagen.
Auch wenn im 18. Jahrhundert zunehmend Zigarren unter der Hand auch auf Kuba gerollt wurden, wurde der Großteil des Tabaks doch weiter ins spanische Sevilla geliefert.

Zigarren verbreiten sich weiter

Durch Veteranen des Krieges auf der iberischen Halbinsel gegen Napoleons Truppen verbreiteten sich die dort bereits gängigen Zigarren in halb Nordeuropa. Anwer Bati nennt schreibt dass noch 1823 gerade einmal 15.000 Zigarren ins Vereinigte Königreich importiert wurden, es 1840 aber bereits 13 Millionen waren.
Da die steigenden Qualitätserwartungen nur durch kubanische Zigarren erfüllt werden konnten, Zigarren überstanden die mehrwöchige Überfahrt über den Atlantik besser als unverarbeiteter Tabak, stieg im 19. Jahrhundert die Zigarrenproduktion auf Kuba rasant an.

Zigarrenproduktion auf Kuba kommt in Gang.

Während die meisten spanischen Kolonien zu Beginn des 19. Jahrhunderts ihre Unabhängigkeit erlangt hatten, war Kuba noch fast das ganze Jahrhundert lang eine spanische Kolonie. Das dort herrschende Tabakmonopol wurde allerdings 1821 unter Ferdinand VII. gelockert, was den Boom der Zigarrenindustrie auf Kuba auslöste.
Waren Zigarren auf der Insel bislang hauptsächlich illegal, für den Eigenverbrauch und Schmuggel, gerollt worden, so bestand nun die Möglichkeit für eine legale Zigarrenproduktion.
Mitte des 19. Jahrhunderts gab es die stolze Zahl von 9.500 Tabakplantagen auf Kuba, die eine schnell wachsende Zahl von Zigarrenmanufakturen bedienten. Deren Hauptabnehmer waren bis 1857 die USA was sich mit in diesem Jahr eingeführten Schutzzöllen jedoch schlagartig änderte.
Schon 1827 war in Kubas Hauptstadt Havanna eine Marke eingetragen, die noch heute jedem Aficionado bekannt ist: Partagas. Noch heute ist deren Fabrik in Havanna in Betrieb, in ihr werden auch zahlreiche weitere Marken gerollt.

Marken und Bauchbinden kommen auf

Um die eigenen Zigarren optisch von den anderen abzuheben und den gegebenenfalls bestehenden Qualitätsvorsprung auch deutlich zu machen, kam in dieser Zeit das auf, was man heute neudeutsch „Branding“ nennt. In den 1840er Jahren wurde von den deutschen Hupmann Brüdern bei ihren H. Upmann Zigarren begonnen, die Kisten mit Markennamen zu versehen. Dies gab den Käufer einen Wiedererkennungswert und sollte dem Absatz förderlich sein.
1850 folgten die Bauchbinden, die dem Holländer Gustavo Bock zugeschrieben werden.

Zigarren sind wichtiges Kulturgut

Im 19. Jahrhundert breitete sich der Zigarrengenuss immer weiter aus. Vor allem in der damals reichsten Nation der Welt, Großbritannien, waren Zigarren ein allgegenwärtiges Genussmittel. Jedes vernünftige Hotel hatte Raucherräume, zur Standardausstattung eines Herrenzimmers gehörte der Aschenbecher.
Die gesellschaftliche Konvention war es seinerzeit, dass die Damen sich nach einem gemeinsamen Dinner zurückzogen und die Herren der Tafel anschließend gemeinsam Zigarren bei gleichzeitigem Genuss hochprozentiger Alkoholika genossen. Um die Kleidung dabei vor dem Rauchgeruch zu schützen, wurde dazu ein Kleidungsstück übergeworfen, das noch heute unter dem dabei geprägten Namen bekannt ist: Der Smoking!

Der Exodus der Zigarrenhersteller

Dass Zigarren heute nicht mehr nur aus Kuba kommen hat zwei geschichtliche Hintergründe. Zum einen war Kuba bis 1898 eines der wenigen noch kolonisierten Länder Amerikas. Die Weigerung Spaniens den Kubanern mehr Autonomie zu gewähren führte zu zahlreichen Aufständen und zu zwei Unabhängigkeitskriegen. Der erste war 1868-1878 nicht erfolgreich, während der Zweite 1895-1898 dank des Eingreifens der USA erfolgreich war. In den Kriegswirren und den damit verbundenen Zerstörungen auf der Insel wanderten erste Tabakbauern und Zigarrenhersteller aus.
Eine Zweite, weit größere, Welle folgte nach der Kubanischen Revolution, die 1959 siegte. Wegen der Verstaatlichung ihres Eigentums und der mit der Einführung des Kommunismus einher gehenden Unterdrückungs- und Verfolgungswelle ergriffen viele der bislang in der Zigarrenherstellung wichtigen Familien die Flucht. Sieht man sich heute vor 1990 gegründete karibische Zigarrenmarken an, so gibt es kaum eine, die nicht von Exilkubanern gegründet wurde. Mit dem Wissen, teilweise auch mit Aussaat, aus Kuba, gleichzeitig aber mit den Vorteilen von Freiheit und Kapitalismus produzieren die zahlreichen bekannten Familien, ob sie nun Fuente, Torano, Cifuentes, Menendez oder Perdomo heißen, heute auch außerhalb von Kuba hervorragende Zigarren. Manch einer sagt sogar, Kubanische Zigarren seien nach wie vor die Besten der Welt, nur dass sie inzwischen außerhalb Kubas gerollt werden…

Wechselhafte Geschichte auf Kuba

Nach der Verstaatlichung der kubanischen Zigarrenindustrie kam das kommunistische Land auf die Idee, Marken seien ein Zeichen von kapitalistischen Umtrieben und Zeichen bourgeoisen Geistes, und schafften sie daher ab. Zunächst wurden alle kubanischen Zigarren als Einheitsmarke hergestellt. Da das kapitalistische Ausland diesen ideologisch geprägten Überlegungen jedoch nicht folgte, kehrte Kuba sehr schnell wieder zur Produktion unter den bekannten Marken zurück.
Der Exodus der Fachkräfte nach 1959 war jedoch nicht spurlos an der kubanischen Zigarrenproduktion vorbei gegangen, so dass die Qualitätsmängel zunehmend nicht mehr zu übersehen waren. Einen weiteren Schlag versetzte das Embargo der USA den kubanischen Zigarrenwirtschaft. Der Wegfall des bislang wichtigsten Abnehmers bereitete Kuba erhebliche Probleme.
Die neue staatliche Firma Cubatabaco holte sich bald darauf Hilfe von außen, in der Person Zino Davidoffs. Dieser stellte bis 1990 auch die Zigarren seiner Firma auf Kuba her. Das so gewonnene Knowhow verbesserte die Qualität rasch wieder. Nicht zuletzt dank des alten Rufes konnten die nachrevolutionären Kubanischen Zigarren so rasch wieder an ihrem alten Ruhm anknüpfen.
Ein Streit zwischen Davidoff und Kuba führte 1990 zu einem Bruch, woraufhin Davidoff seine Produktion in die Dominikanische Republik verlegte. Der Zusammenbruch der Sowjetunion führte bald darauf zu einem weiteren Schlag gegen die Tabakindustrie, fielen doch die sowjetischen Subventionen und das von dort bezogene günstige Öl weg. Der Mangel an Düngemitteln führte daher in den 1990er Jahren zu einem starken Qualitätseinbruch, der selbst die Premiummarken nicht immer unbeschadet ließ.
Mit einem inzwischen jedoch wieder wachsenden Markt überall in der Welt hat sich die Qualität der kubanischen Zigarren inzwischen wieder sehr nach oben entwickelt. Nicht zuletzt dank der frischen Finanzmittel und des Marketing-Wissens der bei Cubatabaco eingestiegenen französischen Tabakfirma Altadis konnten sich dieHavannas inzwischen wieder in die Weltspitze zurückkämpfen.
Dies gelang so gut, dass obige Zeilen für viele Fans der kubanischen Zigarren wohl gar als Sakrileg gelten dürften. Die starke und überzeugte Anhängerschaft für Havannas darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass inzwischen auch in einer ganzen Reihe von anderen Ländern hervorragende Zigarren gerollt werden, ob nun in Nicaragua, Honduras oder in der Dominikanischen Republik.

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